Frauen- und Gleichstellungs- politik

Von der Reservearmee in den Niedriglohnsektor

 

 

Festrede anlässlich des Jubiläums 90 Jahre Frauenpolitik im Sozialverband Deutschland.

 

2009 ist das Jahr der runden Jubiläen:

 

Vor 20 Jahren fiel die Mauer in Deutschland zwischen Ost und West. Damit konnte die Vision der Deutschen Einheit in die Realität umgesetzt werden.

 

Vor 60 Jahren wurden nach dem verheerenden „Dritten Reich“ und dem Zweiten Weltkrieg das Deutsche Grundgesetz  verabschiedet und die Bundesrepublik Deutschland geschaffen.

 

Vor 60 Jahren konstituierte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund auf seinem Gründungskongreß in München.

 

Vor 90 Jahren wurde in Deutschland das Wahlrecht für Frauen eingeführt.

 

Vor 90 Jahren wurde die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) gegründet als Teil des Friedensvertrages von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg. Die IAO ist die einzige Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit gleichgewichtiger Vertretung von Arbeitgebern und Gewerkschaften an allen Entscheidungen. Eines ihrer ersten Internationalen Arbeitsstandards war das Übereinkommen zum Mutterschutz, das inzwischen nicht nur in der Bundesrepublik, sondern in anderen Ländern und Erdteilen rechtliche und praktische Verankerung zum Schutz der Frauen gefunden hat.

 

Wir als Frauen im SoVD sind mithin in guter Gesellschaft, wenn wir heute das 90- jährige Engagement für Frauenpolitik im SoVD würdigen. Dazu möchte ich Ihnen und uns allen zunächst meine herzlichen Glückwünsche aussprechen. Dies mache ich zuallererst in meinem eigenen Namen und natürlich im Namen aller Mitglieder des Arbeitskreises Sozialversicherung im SoVD, den ich inzwischen leiten darf. Ich tue dies aber  auch im Namen der vielen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im In- und Ausland, die ich während meiner jahrzehntelangen sozialpolitischen Arbeit an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes vertreten habe.

 

Wie in den Grußworten und dem Vortrag von Ina Stein deutlich geworden ist, haben die Frauen im SoVD in ihrer jetzt 90 jährigen Geschichte mit dem dunklen Kapitel der verheerenden Naziherrschaft und des Zweiten Weltkrieges Hervorragendes geleistet. Wir als Frauen der nachfolgenden Generationen konnten darauf aufbauen. Ich sehe darin eine große Verpflichtung, mit dem „Erbe“ unserer Vorkämpferinnen im SoVD sorgsam umzugehen und es in ihrem Sinne fortzuführen.

 

Dabei möchte ich gleich an den Anfang meiner weiteren Ausführungen eine Erkenntnis stellen, die bereits eine der bekanntesten Vorkämpferinnen für Frauenrechte- Clara Zetkin- gewagt hat, deutlich hervorzuheben. Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts hat sie den Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen und der fehlenden Gleichberechtigung der Geschlechter herausgestellt und klare Forderungen entwickelt: Gesetzlicher Schutz für Arbeiterinnen, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Bildung und freie Wahl der Berufstätigkeit und die volle politische Gleichstellung. (...)

 

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